EVE Kinder und Zeugnisse

Sommerzeit, Zeugniszeit…

Jipiii, die Sommerferien fangen bald an! Aber halt da war doch noch etwas! Ja, richtig die Zeugnisse…

Die Zeugnisse werden von allen Beteiligten (Kindern, Eltern) mehr oder weniger freudig erwartet. In den ersten zwei Schuljahren gehen die Eltern mit besonders großen Erwartungen den Zeugnissen entgegen. Es sind ja die ersten „offiziellen Beurteilungen“ ihrer Kinder. Obwohl ja natürlich schon Gespräche über das Verhalten und den Leistungsstand des Kindes stattgefunden haben, hat dieses beschriebene Blatt mit der  Überschrift „Zeugnis“ noch mal eine ganz andere Wirkung.

An den Kindern würde die ganze Aufregung wahrscheinlich gänzlich vorbei gehen, würden sie nicht die Aufregung, Freude oder Enttäuschung der Eltern ganz genau spüren. Auch Kinder mit älteren Geschwistern wissen ganz genau, dass ein Zeugnis eine wichtige Sache ist. Vielen Kindern wird ja leider die Schule im Vorfeld schon ziemlich vermiest durch Sprüche wie z. B. „Na warte mal, bis du in die Schule kommst, dann hört der Spaß aber auf“, sehr beliebt ist auch „Mit der Schule fängt der Ernst des Lebens an“.

Da die Kinder ja nicht wissen, wie Schule tatsächlich funktioniert, kann es passieren, dass sie deshalb schon mit großen Ängsten dorthin gehen.

„Der Ernst des Lebens“ ist anderswo

Ich kann deshalb nur sehr empfehlen, die Schule oder die Lehrerin bzw. den Lehrer nicht als einen Ort des Schreckens darzustellen. Es gibt übrigens auch sehr schöne Bücher zum Thema „Schulstart“. Ein Buch kann ich ganz besonders empfehlen, ich habe den Eltern an jedem ersten Elternabend in der Schule daraus vorgelesen und so manch einer ist dabei schon ins Grübeln gekommen. Es heißt „Der Ernst des Lebens“ von Sabine Jörg und Ingrid Kellner, empfohlen für Kinder ab 5 Jahren.

Für Eltern und Kinder sind die Schulleistungen also schon vom 1. Schultag an von besonderer Bedeutung, die Eltern wollen (verständlicherweise), dass ihre Kinder die bestmöglichen Leistungen erbringen, für die meisten steht der Wechsel auf ein Gymnasium nach der Grundschule völlig außer Frage, das anschließende Studium ist selbstverständlich.

Leider wird dabei nicht selten das Kind, seine Interessen und auch Möglichkeiten völlig außer Acht gelassen. Vor lauter Erfolgsdruck und Angst, das eigene Kind könnte in der Zukunft versagen, wird es oft nicht mehr als eigene Persönlichkeit mit ganz eigenen  Stärken und Schwächen gesehen.

Für die Kinder ist gerade eine Unterstützung und Stärkung ihrer Talente von großer Wichtigkeit. Natürlich müssen Kinder eine realistische Einschätzung ihrer Leistung bekommen. Auf keinen Fall sollten sie für jede Kleinigkeit übertrieben gelobt werden, da sie sonst keine Selbsteinschätzung erlernen können und auch ein Lob als nichts besonderes mehr wahrnehmen. Es ist ja auch ganz klar, dass nicht jeder jeden Lernstoff sofort fehlerfrei beherrschen kann. Deshalb gehen wir ja nun mal in die Schule. Auch wir Erwachsenen machen Fehler, wir dürfen und sollten das ruhig vor den Kindern auch zugeben.

Wenn unsere Kinder durch liebevolle Anerkennung unterstützt werden, werden sie viel eher bereit sein, sich auch in für sie schwierigen Lernbedingungen mehr anzustrengen. Auch Hinweise auf Fehler können sie viel besser annehmen, wenn nicht ihre gesamte Person, sondern nur der gemachte Fehler kritisiert wird.

Gerade wenn Kinder in der Schule Misserfolge erleben, benötigen sie viel Trost und sollten nicht mit dem damit verbundenen negativen Gefühl allein gelassen werden. Du kannst versuchen, durch eine wohlwollende Einstellung der Schule gegenüber Deinem Kind zu vermitteln, dass die Schule nicht der schreckliche Ort des Versagens ist, sondern vielmehr Spaß am Wissen vermitteln will. Durch einen regen Austausch mit dem Klassenlehrer gibt es dann beim Zeugnis auch keine bösen Überraschungen. Dein Kind und Du, ihr seid vorbereitet und könnt Pläne zur Verbesserung machen. Wie könnte hier Hilfe aussehen?

Struktur im Alltag erleichtert vieles

Wichtig ist für Dein Kind, dass Du einen strukturierten Alltag planst. Es sollte  genaue Zeiten für die verschiedenen Aktivitäten im Tagesverlauf geben. Wann wird gegessen? Wann werden die Hausaufgaben erledigt? Zu welcher Zeit muss das Kind ins Bett usw. Dadurch erlernt Dein Kind, seine Zeit effektiv zu nutzen und erfährt Sicherheit und Unterstützung durch Dich als Mutter.

Auch der Ort des Lernens sollte feststehen, es heißt ja nicht, dass es immer ordentlich gerade am Tisch sitzen muss (Vokabeln können durchaus auch erfolgreich im Kopfstand gelernt werden, wie wir aus eigener Erfahrung wissen). Du solltest diese Maßnahmen gemeinsam mit Deinem Kind vorher besprechen und festlegen. Vielleicht sogar in einem Vertrag zwischen euch beiden schriftlich festhalten.

(Kleine Anmerkung von Anja: Ich tue das seit 3 Jahren erfolgreich mit meiner Tochter an der Oberschule. Nach jeder Zeugnisvergabe gehen wir in ihr Lieblingscafé und nehmen Stift und Block mit. Sie findet das richtig gut. Da werden dann hochfeierlich schriftlich und sehr businesslike :-) erstmal das Zeugnis besprochen, alle Noten durch sie selbst bewertet und ihre eigenen Ziele für das kommende Schuljahr festgelegt. Dann denken wir uns Maßnahmen aus, die das unterstützen, sei es Nachhilfe, tägliche Lernminuten oder meine Mithilfe in bestimmten Fächern) und am Schluss wird alles mit Datum und Unterschrift besiegelt. Dieses Blatt hängt sie meist über ihrem Schreibtisch auf, um es immer im Blick zu haben….)

Kinder halten sich viel lieber an Regeln, wenn sie bei der Aufstellung derselben auch mit einbezogen werden. Jeder Mensch ist ein anderer Lerntypus. In der Regel werden vier Lerntypen unterschieden: visuell, auditiv, kommunikativ und motorisch. Genaueres dazu gibt es aber nicht heute, da das ein so umfangreiches und wichtiges Thema ist, das ich lieber in einem separaten Artikel darauf eingehen möchte. Mehr dazu also in Kürze.

Jeder Mensch hat einfach seine ganz eigene, beste Art und Weise zu lernen, indem ich mich mit anderen austausche oder etwas aufschreibe und dabei sehe, einen Text höre oder auch als Mischform von allem etwas.

Es bringt also wirklich gar nichts, das Kind zu etwas zu zwingen, sondern vielmehr zu beobachten, mit welcher Methode die besten Erfolge errungen werden. So kannst du die Lernerfolge deines Kindes immer besser unterstützen. So, aber jetzt nochmal zurück…

Es gibt immer eine Lösung

Nächste Woche gibt es also die Zeugnisse und egal, wie sie dieses Mal ausfallen, denke daran, dass es viele Möglichkeiten der Verbesserung gibt, für die nicht allein Dein Kind sondern auch in großem Maße Du mitverantwortlich bist.

Lobe Dein Kind für alle Leistungen, die es vollbracht hat und habe es lieb!

Ich wünsche Euch wunderbare Sommerferien,

Deine Sabine

 

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